Morgendliche Rettungsaktion

Erste Hilfe für eine verirrte Wespe

Eines Morgens fand ich in meinem Badezimmer eine verirrte und erschöpfte Wespe. Wie immer in solchen Fällen griff ich zu einer meiner "Rettungs-Streichholzschachteln" und beförderte das arme Tierchen damit ins Freie. Dort hockte es jedoch nur auf der äußeren Fensterbank und wollte (oder konnte) nicht wegfliegen. Es flatterte zwar ab und zu mit den Flügeln, aber die Kraft reichte wohl nicht aus zum Abheben.

Da erinnerte ich mich an eine Fernsehsendung [1], in der jemand Hummeln wieder "aufpäppelte", die von einem Baum heruntergefallen waren, dessen Blütensäfte wohl nicht genügend Nährstoffe enthielt, um den hohen Energieverbrauch von Hummeln zu decken. Ein kleiner Tropfen Zuckerwasser aus einer Plastikspritze, und die bewegungsunfähigen Tierchen kamen schnell wieder zu Kräften und konnten weiterfliegen [2].

Also ich schnell in die Küche gelaufen, in einem Teelöffel voll Wasser etwas Zucker aufgelöst, wieder zurück zur Wespe und ihr einen Tropfen davon vor die Nase gesetzt. Sofort kroch sie darauf zu und sog das süße Naß gierig mit ihrem Rüsselchen auf. Etwa eine Minute lang trank sie, bis sie genug davon hatte. Dann fing sie an, sich zu putzen - ein gutes Zeichen! Sogar ein winziges, weniger als stecknadelkopfgroßes, weißes Kackhäufchen hat sie zwischendurch gemacht - Morgentoilette halt... :-)

Immer wieder flatterte sie mit ihren Flügeln, ohne jedoch abzuheben. Ich dachte, "ob sie wohl noch etwas Energie braucht?", und bot ihr noch einen weiteren Tropfen Zuckerwasser an. Sie ging darauf zu und "nippte" auch mal kurz, hatte aber wohl offensichtlich doch genug und zog es vor, sich weiter der Körperpflege widmen. Es sah richtig niedlich aus, wie sie sich mit ihren Vorderbeinchen über das Gesichtchen wischte, die Fühler putzte und sich die Flügel glattstrich (es erinnerte mich irgendwie an einen Wellensittich). Manchmal drehte sie ihren Kopf zu mir hoch und es schien, als würde sie mich direkt angucken... :-)

Irgendwann so nach 5 Minuten war sie wohl der Meinung, sie sei nun sauber genug, und machte sich auf und davon in den Morgenhimmel.

(Und ich mich zur Arbeit...)

Anmerkungen:
[1] "Königin für einen Sommer", gesendet ca. im Juni/Juli 2003
[2] Was hat es mit dem Hummelsterben unter den Linden auf sich?


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