Tonbandstimmen

Fischen im Drüben oder akustischer Rorschachtest?

Das in den 70er Jahren bekannt gewordene Phänomen, daß auf Tonbandaufnahmen Stimmen zu hören sein sollen, die sich dort nach den Regeln der Physik eigentlich gar nicht befinden dürften, ist nach wie vor ungeklärt und umstritten. Doch unabhängig vom "Streit der Gelehrten" hat sich weltweit eine "Community" von Tonbandstimmen-Fans gebildet, die unbeirrt damit fortfährt, diese geheimnisvollen Stimmen einzufangen (im Fachjargon: "einzuspielen"). Die weitaus größte Mehrheit der TBS-Fans geht davon aus, daß diese Stimmen aus dem "Jenseits" stammen - also aus dem "Reich der Toten", um es mal etwas salopp zu formulieren. Genauer gesagt, von den Seelen der Verstorbenen, seltener auch von anderen körperlosen Wesenheiten (spiritistische These). Andere schreiben die Stimmen den "ETs" (Außerirdischen) zu. Eine im Kreise von TBS-Fans eher unpopuläre These ist die Annahme, daß der Mensch selber die Stimmen durch eine Art von Psychokinese auf das Band bringt. Auch die Vermutung, daß Umweltgeräusche oder sogar unbewußtes Flüstern der Teilnehmer später auf der Aufnahme für "Stimmen" gehalten werden, wurde schon geäußert. Hardcode-Skeptiker (die sich meist selbst nie eingehender mit diesem Thema befaßt haben) schreiben das "Stimmenhören" dagegen dem Wunschdenken und der Wahrnehmungspsychologie zu ("man hört eben, was man hören will") und belegen das dann mit allzusimplen Beispielen (Stichwort "Holt ihn, holt ihn unters Dach" oder "Schnitzelwagen" - bei Interesse einfach mal googeln). Wieder andere sehen in den Stimmen ein "synchronistisches" Phänomen (nach Carl Gustav Jungs Betriff der Synchronizität). Auf das TBS-Phänomen übertragen würde das bedeuten, aus einer rein zufälligen Phonemsequenz (äußeres Ereignis) entsteht mit erhöhter Wahrscheinlichkeit genau dann sinnvoller Text, wenn es dem inneren Zustand des Experimentators entspricht, z.B. wenn ihn zur Zeit ein bestimmtes Thema bewegt, oder wenn er eine gezielte Frage stellt (inneres Ereignis). Auch die psychologische Anwendung des TBS-Phänomens als "akustischer Rorschachtest" zur Bewußtmachung und Bearbeitung unbewußter Fragen und Themen liegt nicht allzu fern.

Wie auch immer man zu dem Phänomen und seinen Erklärungsversuchen steht - interessant genug, um sich damit einmal näher zu beschäftigen, ist es allemal. So unternahm ich zur Überprüfung der Psychokinese-Theorie z.B. einmal den Versuch, mit Hilfe einer "Kohlestaub-Zelle" als "Stimmen-Empfänger" meine eigenen Gedanken aufzunehmen. Die Idee dazu hatte ich von hier. Ich öffnete also eine Mignonzelle, entnahm daraus den Kohlestab und zerfeilte etwas davon zu feinem Staub:



 

(Achtung, liebe Kinder zu Hause an den Bildschirmen: Bitte nicht nachmachen! Und Achtung Erwachsene: Nur einfache (billige) Zink-Kohle-Zellen dafür verwenden, da andere Typen evtl. keinen Kohlestab enthalten und zweitens möglicherweise ätzende Flüssigkeiten enthalten/verspritzen könnten!)

Den erhaltenen Kohlestaub füllte ich in einen ausgehöhlten Flaschenkorken, in den ich eine Stecknadel als 1. Kontakt stach. Als 2. Kontakt diente eine weitere Stecknadel im "Deckel". Beide Nadeln müssen mit dem Kohlestaub in Berührung sein. Die Kohlestaubzelle habe ich dann mit Hilfe von 4 weiteren Stecknadeln mit dem Deckel verschlossen und an beide Kontakte dünne Kabel angelötet (man kann dazu natürlich auch fertige Kabel mit Krokodilklemmen verwenden):



 

Das Ganze habe ich dann entsprechend folgender Schaltung miteinander verbunden:



 

Und sooo sieddas aus:



 

Die Kohlestaubzelle wird einfach anstelle eines Mikrofons an den Recorder angeschlossen. Wenn man nun damit eine Aufnahme macht, ist dort nachher ein starkes Rauschen und Prasseln zu hören - fast wie zu Zeiten des guten, alten, grauen Posttelefons mit seinem krachenden Kohlemikrofon. Die Zelle reagiert auch auf Erschütterungen mit Krachen.

Und nun der Praxistest: Nach Starten der Aufnahme "schrie" ich die Kohlestaubzelle mehrmals in Gedanken mit dem Wort "Hallo" an. Natürlich nicht laut, sondern eben nur in Gedanken, aber mit aller Energie. Ich wählte dieses Wort, weil es einfacher ist, die gedankliche Energie in ein so kurzes und prägnantes Wort hineinzufokussieren.

Anschließend überspielte ich die Aufnahme in den Computer und wertete sie aus. Dabei fiel mir an einer Stelle eine "Unregelmäßigkeit" in dem Rauschen auf - eine aus zwei Silben bestehende "Fluktuation" in dem Rauschen, genau in der Mitte des folgenden Audioclips:

Play Original-Ausschnitt

Könnte das tatsächlich mein gedachtes "Hallo" sein...? Um es etwas mehr aus dem Rauschen herauszuheben, wendete ich die Rauschreduzierungsfunktion von Cool Edit an. Und tatsächlich könnte man jetzt meinen, daß es sich bei der besagten Stelle um das abgehackt gesprochene Wort "HAL-LO" handelt - eben so, als ob sich jemand mit aller Kraft bemüht, dieses Wort möglichst deutlich rüberzubringen:

Play Gefilterte Version

Andere Methoden der "Stimmengewinnung" habe ich auch ausprobiert, z.B. die "Sprachsynthese-Methode" (genaugenommen müßte es eigentlich "zufallsgesteuerte Phonemsynthese" heißen). Dabei wird eine Sprachaufnahme mit Hilfe eines Programms in kleine Stücke von z.B. 0,1 Sekunde unterteilt und diese Teile (Segmente) dann in einer anderen, zufälligen Reihenfolge wieder aneinandergefügt. Gibt man das Ganze wieder, hört man zunächst einmal nur ein unverständliches Kauderwelsch. Aber eben nicht immer. Manchmal hört man auch sinnvolle Sprache. Das ist zunächst mal nicht weiter verwunderlich, denn unser Gehirn hat nun mal die Eigenart, in chaotischen Strukturen Ordnung erkennen zu wollen. Nur so ist es etwa möglich, die Stimme seines Gegenüber auch aus starken Hintergrundgeräuschen herauszuhören und zu verstehen. Das gilt natürlich nicht nur für Sprache, sondern auch für Bilder (siehe z.B. den oben erwähnten Rorschachtest, bei dem die Patienten Tintenkleckse "deuten" sollen). Es gibt allerdings auch Beispiele von Stimmen, bei denen man so gar nicht an Zufall und Wahrnehmungspsychologie glauben möchte, weil ihr Inhalt überraschend sinnvolle Bezüge zu Fragen und persönlichen Situationen aufweist.

Da das Thema für diese Seite zu umfangreich ist, um ihm in allen Aspekten gerecht zu werden, habe ich dazu eine eigene Website erstellt:



www.Tonbandstimmen.de

 


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